Derek Bell: Einen solchen Auftakt zum 125. Geburtstag des Automobils hätte ich nicht erwartet
Im Schalensitz Nr. 63
Röhrende Boliden, fast lautlose Elektrofahrzeuge – und an vorderster Front der emissionsfreie Motorsegler Windreich Arcus E. Der Stuttgarter Schlossplatz stand am 7. Und 8. Mai 2011 ganz im Zeichen von 125 Jahre Automobil und der Sonderausstellung über die Zukunft der Mobilität. Der Auftakt zum diesjährigen Automobilsommer in Baden-Württemberg hätte nicht besser sein können. Bei strahlendem Sonnenschein feierten mehr als 250.000 Besucher am Wochenende den Geburtstag des Automobils. Die locker fröhliche Stimmung übertrug sich auch auf die Aussteller entlang der Kastanienalleen und auf der Königstraße, die ein mehr als zufriedenes Fazit zogen.
Die Messe organisierte zusammen mit den Partnern Mercedes-Benz, Porsche und Audi sowie der Motor Presse Stuttgart eine außergewöhnliche Technologie- und Innovationsausstellung im Herzen der Stadt. Am Sonntag bot sich den tausenden Zuschauern am Straßenrand zwischen Zuffenhausen, Untertürkheim und der Innenstadt eine faszinierende Reise durch die Automobilgeschichte: ein Corso mit insgesamt 125 ausgewählten Fahrzeugen der Marken Mercedes-Benz, Porsche und Audi. Die Traditionsabteilungen und Museen der drei Autobauer hatten die Tore ihrer Depots weit aufgemacht, um ihre rollenden Schmuckstücke zu präsentieren. Dabei war auch eine Fülle von prominenten Fahrern am Steuer. Der ehemalige Porsche-Werksfahrer Derek Blam mit seinem privaten Porsche 924 Carrera GT.
Unter den Corso-Piloten waren auch die Daimler-Vorstände Wilfried Porth, Andreas Renschler und Dr. Thomas Weber; weiterhin fuhren Tennis-Legende Boris Becker, DFB-Manager Oliver Bierhoff oder WBC-Schwergewichts-Weltmeister Vitali Klitschko im Corso mit. Auch Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, Dr. Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche Automobil Holding SE, die Rennlegenden Hans Herrmann und Jacky Ickx, Ex-Rallyeweltmeister Walter Röhrl, Tatort-Kommissar Richy Müller sowie der Stuttgarter Kabarettist Christoph Sonntag waren als Piloten oder Beifahrer mit von der Partie. Für Audi ließen Rupert Stadler, Vorsitzender des Vorstandes der Audi AG, die früheren Rallye-Weltmeister Hannu Mikkola und Stig Blomqvist sowie Fußball-Weltmeister Karl-Heinz Riedle die Reifen „glühen“. Bei der Ankunft der Corso-Teilnehmer auf dem Schlossplatz jubelte die begeisterte Menschenmenge. Im Laufe des Nachmittages konnten die Zuschauer die 125 Raritäten aus nächster Nähe im Ehrenhof des Schlosses bewundern.
Unter dem Titel „Automobilsommer 2011“ feiert Baden-Württemberg in diesem Jahr 125 Tage lang mit mehr als 300 Events und Oldtimer-Treffen die Erfindung des Automobils. Bei der Auftakt-veranstaltung in Stuttgart fand neben dem Autocorso der Wettbewerb „Stuttgart sucht das Super-Auto“ statt, den Thomas Rinck mit seinem Porsche 356 BTS 1600 GS Carrera GT, Baujahr 1960, am vergangenen Samstag gewonnen hat.
Derek Bell begann seine Karriere 1964 auf einem Lotus Seven, mit dem er Clubrennen in Großbritannien bestritt. Ein Jahr später wechselte er in die britische Formel-3-Meisterschaft und wurde Teamkollege von Peter Westbury bei Church Farm Racing. Besitzer des Rennstalls war Bernard Hendler, Bells Stiefvater.
Mit Hendlers finanzieller Hilfe stieg Bell 1968 in die Formel-2-Europameisterschaft ein. Mit einem Brabham BT23 zeigte er so starke Leistungen, dass die Teamführung von Ferrari auf ihn aufmerksam wurde. Bell bekam einen Werksvertrag angeboten, der ihn in die Formel 1 führte. Mit dem Ferrari Dino 166F2 wurde er 1968 Vierter und 1969 Fünfter in der Europameisterschaft. Ende 1968 gab er sein Debüt in der Formel-1-Weltmeisterschaft. Beim Großen Preis von Italien in Monza, dem Heimrennen der Scuderia, ging Bell mit dem Ferrari 312F1 an den Start, musste das Rennen nach Problemen mit der Benzinpumpe aber vorzeitig beenden. Auch in den USA kam er nicht ins Ziel.
Nach dem Rückzug der Scuderia aus der Formel 2 verlor Bell seinen Werksvertrag. Es folgten einige Jahre, in denen er vergeblich versuchte, in der Formel 1 langfristig Fuß zu fassen. 1970 wurde er Vizemeister in der Formel-2-Europameisterschaft und holte sich mit dem sechsten Rang in den Watkins Glen den einzigen Punkt in der Fahrerweltmeisterschaft. Der Einsatz für das Team Surtees-Team war typisch für die Engagements von Bell in der Formel 1. Er kam immer nur als Ersatzfahrer, der schnell verfügbar war, zum Einsatz. In den USA pilotierte er den Surtees TS7, mit dem er sich auch ein Jahr später in Silverstone für das Rennen qualifizierte.
Ende 1974, nach drei Nichtqualifikationen in Folge, kehrte er der Formel 1 endgültig den Rücken. Obwohl Bell weiter Monoposto fuhr, vor allem Rennen in der Formel 5000 und der Formel Atlantic, galt das Hauptaugenmerk des Briten nun den Sport- und den Tourenwagen.
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