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Fahrer lloydselig
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Vom schöneren Leben. Die unglaubliche Geschichte unseres Lloyd LS 400 S 18.10.2009

Über: Lloyd

Es muss im Oktober 1954 gewesen sein: Deutschland war frischgebackener Fußballweltmeister und das Wirtschaftswunder hatte gerade erst begonnen, als Schuhmachermeister Wilhelm W. in dem kleinen verträumten Ort im Teutoburger Wald saß und über das Gespräch mit seiner Schwester nachdachte.

Er war jetzt 43 Jahre alt und führte bereits seit über einem Jahrzehnt den väterlichen Betrieb alleine. Seine Eltern lebten beide nicht mehr und nun gab es nur noch seine Schwester, mit der er seit jeher zusammen in dem Haus lebte, in dem er geboren wurde.

Viel hatte er nicht erlebt, den Ort selten verlassen und stets ein bescheidenes und sparsames Leben geführt. Er war sich selbst genug, aß täglich seine Haferflocken, vielleicht ein bisschen was aus dem eigenen Garten, eben all das, was nicht viel kostete. Er arbeitete tagsüber in seiner Werkstatt und schlief des Nachts den Schlaf der Gerechten.

Sein Leben verlief also in geregelten und durchaus überschaubaren Bahnen und nun war da plötzlich seine Schwester mit dieser unglaublichen Idee:
Ein Auto sollte her!

Ein eigenes neues Auto! Unvorstellbar! Niemand besaß in diesem Ort ein Auto, mal abgesehen vom Sparkassendirektor und dem Doktor und nun sollte ausgerechnet er – Herr W. – diesen Schritt wagen und sich ein Auto anschaffen, nur weil seine Schwester dies wünschte?

Ganz so abwegig fand er diesen Gedanken aber scheinbar nicht, denn er ließ ihn nicht mehr los und es war sogar schon soweit, dass er eine genaue Vorstellung davon hatte, was für ein Auto es denn sein könnte, nämlich:

Ein LLOYD-WAGEN!

Ja: Der Wagen, den sich alle wünschen, die mehr leisten und schöner leben wollen. So stand es in dem Faltprospekt, der vor ihm auf dem Tisch lag. Und es sollte sogar der Combi-Wagen sein, mit seiner dritten rückwärtigen Tür und dem dahinter liegenden großdimensionierten Gepäckraum. Er kostete 130 DM mehr als die zweitürige Limousine, aber das war es ihm wert. Schließlich war er ja Geschäftsmann und konnte so auch Nutzen für seine kleine Schuhmacher-Werkstatt daraus ziehen.

Wilhelm W. machte sich also am 15. Oktober 1954 auf den Weg in das einige Kilometer entfernte Bad Salzuflen, um beim Autohaus Tretow, einem Händler für Automobile der Marken Borgward, Goliath und Lloyd ein Gespräch mit dem Verkäufer zu führen. Noch einmal sah er sich den hübschen Combi an, nahm Platz, bewunderte den Gepäckraum, der bei Bedarf im Handumdrehen nochmals bedeutend erweitert werden konnte und entschied sich noch am selben Tag, den Kaufantrag für seinen Lloyd LS 400 zu unterzeichnen.

Nilgrün sollte er sein und kostete DM 3.580,-- zuzüglich DM 60,-- für den Transport und sechs DM für den Kraftfahrzeugbrief. Insgesamt also stolze DM 3.646,--.

Wilhelm W. wäre ein schlechter Geschäftsmann gewesen, wenn er nicht doch einen Weg gefunden hätte, den Wagen etwas günstiger zu bekommen. Schließlich war er Schuhmachermeister mit eigener Werkstatt und Schuhe brauchte eben jeder. Auch Mitarbeiter eines Autohauses. So kam es dann, dass im Kaufvertrag unter dem Abschnitt „Zahlungsbedingungen“ noch folgender Zusatz aufgenommen wurde:

„Für DM 250,-- (Zweihundertfünfzig) werden Schuhe in Zahlung genommen.“

Als Liefertermin war der 5. November 1954 vorgesehen. Mit stolz geschwellter Brust kehrte Wilhelm W. zurück nach Bad Meinberg, denn er war jetzt neben dem Doktor und dem Sparkassendirektor der dritte Autobesitzer im Ort.

Die folgenden Tage und Wochen vergingen genauso, wie in den Jahren zuvor und doch war etwas anders.

So konnte Wilhelm W. eine gewisse Nervosität nicht leugnen, als ihm am Morgen des 5. November 1954 der Postbote einen Brief aus Bad Salzuflen überbrachte. Er hatte ohnehin nicht besonders ruhig schlafen können, denn heute war der eigentliche Liefertermin für seinen Lloyd-Wagen und so stellte er rasch fest, dass ihm tatsächlich das Autohaus Tretow diesen Brief schickte.

-„Sicherlich die Benachrichtigung, dass der Wagen da ist“-, schoss es ihm durch den Kopf und er las folgende Zeilen:

„Betr.: Fahrzeug-Auslieferung

Am 15.10.54 bestellten Sie bei uns, lt. Kaufvertrag, einen Lloyd LS 400, zum Liefertermin 5.11.54. Da die Lloyd-Werke inzwischen einen neuen Typ herausbrachten, und zwar den Lloyd 1955, können wir Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, dass auch Sie bereits diesen neuen Typ bekommen. Leider sind wir jedoch nicht in der Lage, das Fahrzeug zum 5.11.54 auszuliefern, da das Werk durch Umstellung in Lieferverzug geraten ist. Die Auslieferung wird sich um ca. 3 Wochen verzögern. Wir möchten Sie bitten, sich bis dahin zu gedulden und werden mindestens 5 Tage vor Auslieferung Bescheid geben.

Hochachtungsvoll

Autohaus Wilh. Tretow KG.“

Das neue Modell sollte er also bekommen, dafür aber noch 3 Wochen auf sein Auto warten. Leider hatte die Firma Tretow nicht geschrieben, was denn nun geändert wurde und so schrieb Wilhelm W. noch am selben Tag einen Brief zurück:

„Mit Ihrem Schreiben vom 4.11.54 teilen Sie mir mit, dass die Lloyd-Werke einen neuen Typ herausbringen. Teilen Sie mir bitte mit, welche Neuerungen an dem Wagen vorgenommen werden und wie der Preis dafür ist.“

Die Firma Tretow ließ nicht lange auf eine Antwort warten und so lag schon sehr bald ein Farbprospekt im Briefkasten der alten Schumacherei:

„Der Neue Lloyd 1954“

Wilhelm W. konnte mit Begeisterung feststellen, dass sein Wagen nun über eine Ganzstahl-Karosserie verfügen würde. Er würde also ein „richtiges“ Auto besitzen. Für den selben Preis! Spötter belächelten den Lloyd ja als „Leukoplastbomber“. Das war nun vorbei.

Diese sehr erfreulichen Nachrichten konnten ein wenig über die Tatsache hinwegtrösten, dass der Wagen nun verspätet geliefert werden sollte.

So ging also der November vorüber und auch die drei Wochen Lieferverzug waren längst verstrichen. Das neue Auto stand aber noch immer nicht in der kleinen hölzernen Garage hinter der alten Schusterei.

Mittlerweile war es kurz vor Weihnachten und auch die beschwichtigenden Worte des Autohauses Tretow konnten Wilhelm W. nicht mehr vertrösten. Was nutzte ihm eine Ganzstahlkarosserie, wenn er sie nicht bekam? Was sollten die Nachbarn denken? Seine Schwester hatte ja längst überall herumposaunt, dass auch sie jetzt einen Wagen gekauft hätten.

Also setzte er sich am 17. Dezember 1954 erneut an seinen Schreibtisch und verfasste folgenden Einschreibebrief:

„Da Sie den am 15.10.54 von mir bestellten Lloyd Combi-Wagen LS 400 bis heute nicht geliefert haben, stelle ich Ihnen eine Nachfrist bis zum 24. Dezember 1954, abends 18 Uhr. Falls der Wagen bis dahin nicht in meinem Besitz ist, verzichte ich auf die Lieferung.“

Das waren harte Worte, aber auch Herr W. war Geschäftsmann und wusste selbst am besten, dass man seine Kundschaft nicht zu lange hinhalten durfte. Ein bisschen Nachdruck konnte da sicher nicht schaden. Und die Vorstellung, den neuen Wagen gewissermaßen auf dem Gabentisch zu empfangen, hatte durchaus auch seinen Reiz.

Es dauerte nicht lange und der Postbote überbrachte das Antwortschreiben der Firma Tretow. Am 21.12.1954 übergab er Herrn W. eine Postkarte, die schon oberflächlich betrachtet verriet, wer der Absender war: Der Borgward-Rhombus zierte das Adressfeld unübersehbar! Was mag der Postbote gedacht haben, der sicherlich nur davon träumen konnte, mit solchen Autohäusern ernsthaft zu korrespondieren?

Nervös flogen Herrn W.s Augen über die fünf Zeilen und lasen folgendes:

„Wir erhielten Ihren Einschreibebrief vom 17.12.1954 und teilen Ihnen mit, dass unser Herr Hillebrenner das Lloyd-Fahrzeug morgen am 22.12.1954 zwischen 15.00 Uhr und 16.00 Uhr bei Ihnen abliefern wird.

Hochachtungsvoll

Autohaus Wilhelm Tretow KG“

Nun war es endlich soweit! Pünktlich zum Weihnachtsfest 1954 würde Wilhelm W. als dritter Bürger Bad Meinbergs Eigentümer eines Automobils! Und er bekommt es sogar persönlich geliefert! Das wird ein wahrlich frohes Fest werden!

Als am nächsten Nachmittag Herr Hillebrenner mit dem neuen Lloyd Combi-Wagen in Bad Meinberg vorfuhr mag sicherlich so manche Gardine neugierig zur Seite geschoben worden sein, denn nun war er da: Der feierliche Moment der Fahrzeugübergabe.

Da stand er endlich mit seinem spiegelnden Lack, der erst seit wenigen Tagen das gesamte Kleid eines jeden neuen Lloyd-Fahrzeugs überzog. Denn, streiften sie in der Vergangenheit nur nach und nach ihre hölzerne Hülle ab, war nun auch das letzte Bauteil eines jeden Lloyd-Wagens, - das Dach -, aus Stahlblech.

Wilhelm W. war einer der wirklich ersten Kunden, der das Privileg hatte, ein solches Ganzstahl-Auto sein Eigen nennen zu dürfen.

Nachdem Herr Hillebrenner ihm die Wagenschlüssel, die an einem braunen Ledermäppchen hingen, welches mit dem Borgward-Rhombus und der Anschrift der Firma Tretow versehen war, überreicht hatte, vereinbarten die beiden, dass Herr W. am nächsten Tag persönlich nach Bad Salzuflen kommen würde, um die Rechnung von DM 3.646,-- abzüglich DM 250,-- für Schuhwaren, also insgesamt DM 3.396,-- zu zahlen..

Diese Vorgehensweise war ihm sicherer, da er den Mitarbeiter des Autohauses unmöglich mit einer solch hohen Summe in der Tasche zurückschicken konnte. Er erhielt also das Visitenkärtchen des Herrn Hillebrenner und verabschiedete diesen bis zum nächsten Tag.

Das neue Auto verschwand jedoch sogleich in der eigens dafür gebauten Garage hinter dem Haus, neben der Schuhmacherwerkstatt. Die nagelneuen Nummernschilder, die die Aufschrift „R 63 – 4024“ trugen, wurden abmontiert, da Wilhelm W. den Wagen gleich am nächsten Tag wieder abmelden würde.

So fuhr er dann einen Tag später zunächst zum Straßenverkehrsamt des Landkreises Detmold, um sein neues Auto wieder abzumelden, und stattete danach dem Autohaus Tretow in Bad Salzuflen einen Besuch ab. Dort angekommen, beglich er die Rechnung für den Lloyd zuzüglich zehn Mark für zwei Nummernschilder.

Das schönere Leben hatte also begonnen und so wartete der kleine nilgrüne Lloyd in seiner Garage ungeduldig darauf, die Welt zu erkunden.

Wie die folgenden Jahre zeigen sollten, würde er dazu nicht sonderlich viele Gelegenheiten haben. Erst im April 1955 wurde er gewissermaßen erstmalig nach seiner Auslieferung für nur drei Monate zugelassen und legte in diesem Jahr ganze 658 Kilometer zurück, wie das Scheckheft bei einer ersten Inspektion im November 1955 ausweist. Überhaupt waren die Monate Oktober 1955 bis Januar 1956 die einzigen Wintermonate seines Lebens, in denen er zugelassen war.

Es folgten immer wieder sporadische Anmeldungen für die maximale Dauer von jeweils drei Sommermonaten, in denen Wilhelm W. jedoch auch nicht besonders viel mit seinem Lloyd fuhr. Im Sommer 1958 erfolgte dann bei 3318 Kilometern die letzte Kontrolle, die im Scheckheft erfasst wurde. Von Oktober 1959 bis Oktober 1961 war der Wagen gar nicht zugelassen, wurde dann aber in jenem Monat zum letzten Mal angemeldet, um beim TÜV vorgeführt zu werden, erhielt eine Plakette bis Oktober 1963 und wurde abgemeldet und von nun an nie wieder für den Straßenverkehr zugelassen.

Wer jedoch glaubt, Herr W. hätte die Freude an seinem Automobil verloren oder würde sich gar nicht mehr für den kleinen Lloyd interessieren, der irrt. Das schönere Leben hatte für Herrn W. gerade erst begonnen. Wenigstens einmal wöchentlich startete er den Motor seines Wagens, sehr zum Leidwesen der Nachbarn, putze und polierte das Wägelchen ab und zu und ließ es einmal jährlich zur Durchsicht abholen. Im Sommer öffnete er die Garagentür und schaute sich sein Schmuckstück an, während er in der Sonne saß und darüber nachdachte, wie wunderbar ein Lloyd-Wagen zu fahren war.
Um ein schöneres Leben zu führen, war es für Wilhelm W. nicht wichtig, einen Lloyd-Wagen zu fahren, sondern einen Lloyd zu besitzen.

So vergingen nun die Jahre und auch die Jahrzehnte. Herr W. wurde älter und blieb seinem geliebten Lloyd-Wagen treu. Als eines Tages zum Weihnachtsfest seine Tochter zu Besuch war und das Festmahl zubereiten wollte, fragte sie ihn, wo denn die Kartoffeln seien. Er antwortete, dass er sie nun schon seit Jahrzehnten im Winter grundsätzlich im Kofferraum des kleinen Lloyd lagerte, weil dies der einzige Ort wäre, an dem sie nicht erfrieren würden.

Im Laufe der Zeit entstand auf diese Weise so manche Geschichte oder Anekdote über den Mann, der sein ganzes Leben lang nur ein einziges Auto besaß.

Und glücklicherweise war Herr W. so gewissenhaft, dass er jeden noch so kleinen Schnipsel über sein Auto aufbewahrte. Ein Übriges taten dann seine Kinder, die so manche Geschichte über den Vater und seinen Lloyd erzählen können.
Auf diese Weise entstand eine Auto-Biographie im wahrsten Sinne des Wortes.

Als wir nun vor ein paar Jahren das Glück hatten, die Familie kennen zu lernen, war gottlob genügend Zeit vorhanden, um all diese Kleinigkeiten zu erfahren. Gemeinsam fuhren wir dann mit der Enkeltochter in den Teutoburger Wald, da der Haushalt von Herrn und Frau W. aufgelöst werden sollte.

Seine Frau und er, beide mittlerweile deutlich über neunzig, waren auf eigenen Wunsch in ein Altenheim gezogen und das Haus sollte nun verkauft werden. Bereits auf der Fahrt hatten wir Gelegenheit, die Ordner mit den ganzen Unterlagen durchzublättern. Zunächst ging es über die Autobahn durch das Ruhrgebiet, später dann über verwinkelte, neblige Strassen hinauf in den Teutoburger Wald, bis in das malerische Örtchen Bad Meinberg.

Hinter dem etwa 110 Jahre alten Haus, in einer kleinen Garage mit zweiflügeligem Tor stand nun seit fast einem halben Jahrhundert der kleine Lloyd. Wir hatten ihn bis dahin noch nicht gesehen, lediglich die Geschichten der Familie und die ganzen sorgsam abgehefteten Unterlagen sorgten für eine unglaubliche Neugierde.

Als wir dort ankamen und den schmalen Weg entlanggingen, der neben dem Haus, vorbei an der kleinen Schusterei zu der rückwärtig gelegenen Garage führte und kaum Platz für ein größeres Auto geboten hätte, dachte ich mir nur: „Genau so hast Du es Dir immer vorgestellt, wenn Du davon träumtest, einmal solch eine Entdeckung zu machen.“

Hier stimmte alles, selbst der gigantische Schlüsselbund, an dem zahlreiche riesige, uralte Schlüssel hingen, von denen offenbar einer in das Schloss zur Garage passen sollte. Die Enkeltochter nestelte mit den Schlüsseln umher und probierte einen nach dem anderen aus...- aber keiner passte! Ich wurde wahnsinnig! Ich wollte endlich dieses Auto sehen, von dem ich bisher nur wusste, dass es erst „ganz wenig Kilometer gelaufen hatte“ und „noch aussieht wie neu, denn Vater hat es ja immer sooo gepflegt...“. Ich hebelte ungeduldig an den beiden Türflügeln herum und - siehe da – sie öffneten sich...

Da stand er nun: von ein paar Decken geschützt, insgesamt aber doch recht staubig und in einem wunderschönen, unberührten Originalzustand, der mir in dieser Form bisher noch nicht untergekommen war. Alles strahlte bei genauerem Betrachten eine phantastische Patina aus. Die Sitze waren wie neu bezogen, der Lack glänzte sofort, wenn man den Staub vorsichtig beiseite wischte. Die originalen Schildchen auf den vorderen Kotflügeln verrieten den ausliefernden Händler und der kleine Tacho zeigte die unvorstellbare Zahl 4.539.

Wir kamen uns vor wie Grabräuber, die die ewige Ruhe eines längst verstorbenen Pharaonen störten, aber es war an der Zeit, dass der kleine Lloyd nun in sein zweites, wenn nicht schöneres, dann doch zumindest ebenso schönes Leben starten sollte.
Schnell war klar, dass wir die neuen Besitzer sein sollten und so ließen wir ihn nur ungern für die letzten Wochen in seinem jahrzehntelangen Zuhause schlummern, bis wir ihn dann bei besserem Wetter nach Wermelskirchen holen konnten. Das erste Kapitel eines langen Oldtimer-Märchens hatte hier sein Ende gefunden.

Dies war die Geschichte von Herrn W. und seinem treuen Begleiter. Beide verbrachten fast ein halbes Jahrhundert miteinander. Diese Geschichte ist wahr. So hat es sich damals zugetragen. Sie beruht auf den ausführlichen Erzählungen der Familie. Die aufgeführten Schriftwechsel sind Wort für Wort aus den originalen Briefen zitiert, denn Herr W. bewahrte nicht nur jedes Schreiben von dem Borgward-Händler, seiner Versicherung oder dem Finanzamt auf, sondern notierte auch jeden Brief, den er dorthin schickte ein zweites Mal für seine Unterlagen. Selbst das Visitenkärtchen des „Herrn Hillebrenner“ und das Schlüsselmäppchen mit der Adresse des Autohauses sind noch da. Die Kennzeichen mit der Aufschrift „DT-A 43“, die der Wagen seit 1956 trägt, haben noch die TÜV-Plakette von Oktober 1963 und auf den vorderen Kotflügeln sind die Händlerschilder angebracht.

Wenn wir heute bei schönem Wetter in unserem Garten sitzen, wie es einst Wilhelm W. so gerne tat, blicken bei geöffnetem Tor scheinbar sehnsüchtig zwei kleine Scheinwerfer aus der hintersten Ecke der Garage ins Sonnenlicht. Wir wissen nicht, ob sie von Herrn W. und Bad Meinberg träumen oder davon, doch nun endlich wenigstens einmal den staubigen Asphalt der Strassen rund um den Gardasee unter den schmalen Reifchen zu spüren. Aber eines wissen wir ganz genau: Ein kleines bisschen schöner ist das Leben tatsächlich geworden, seit der nilgrüne Lloyd bei uns wohnt. Und manchmal, aber nur manchmal, da klemmen wir die Batterie an, ziehen an dem Starterzug, bis das Motörchen willig aufheult um ihm dann die Welt in seinem schönen neuen Leben zu zeigen. Dann sind wir uns sicher: Ein Lloyd erfreut!

Weitere Bilder von unserem Lloyd LS 400 S (und von den originalen Unterlagen!) findet ihr unter "Meine Fahrzeuge" in meinem Profil.

Mit der blauen Zweitaktfahne winkt Euer

Rainer Kaun-Mikolajewicz aus Wermelskirchen.

Diskussionen


Beiträge sortieren nach
lloydselig
lloydselig 12.02.2011

Hallo Jürgen!

Schon passiert ;-)

Gruß,

Rainer.

schreckschrauber
schreckschrauber 12.02.2011

Sorry, ich weiß nicht, was der Pc dir da soeben geschickt aht - ein uralter Beitrag für ein anderes Profil.... bitte, lösch das raus, wenn du kannst - es paßt nicht dazu!

Jürgen

lloydselig
lloydselig 17.01.2011

Hallo alphamax!

Nochmals besten Dank fürs Kompliment! Es wird, so hoffe ich jedenfalls, in der Tat in absehbarer Zeit "neue, spannende und lloydselige" Geschichten geben. Da gibt´s in meiner Sammlung ja noch den Alexander mit ebenfalls momentan erst 6.000 Original-Kilometern (1.000 sind wir selbst schon gefahren). Zu diesem Auto gibt es natürlich ebenfalls eine recht unglaubliche Geschichte.... Bald hoffentlich mehr (ich bin dran, aber die wenige Zeit...), bis dahin liebe Grüße an alle,

...der Rainer.

alphamax
alphamax 17.01.2011

Ich kann das gut nachvollziehen, da ich ja auch eine besondere Beziehung zu meinen Oldies habe. Natürlich nicht zu jedem. Jedoch, ich versuche jede einzelne Geschichte bzw. den Lebensweg jedes einzelnen Fahrzeuges mit Dokumenten und Fotos nachzuvollziehen und - natürlich möglichst lückenlos - zu dokumentieren. Das gelingt natürlich nicht immer, macht aber enorm Spass und man hat eine ganz andere Beziehung zum Auto.

Was mir an Deiner Geschichte aber ganz besonders gut gefällt und sehr beeindruckt, ist die spannende Art der Erzählung, die den Leser richtig packt und förmlich hinein zieht ins Geschehen. Grosse Klasse. Ich bin gespannt auf Weiteres aus Deiner Feder.

lloydselig
lloydselig 15.01.2011

Hallo Jürgen, hallo alphamax! Es ist schön, dass Euch meine Geschichte so gut gefällt. Auch für uns ist es wirklich etwas ganz besonderes, was wir da erleben durften. Daher auch die Motivation, es aufzuschreiben. Ich sammle eigentlich schon seit meinem 18. Lebensjahr und seitdem sind sehr viele Oldies durch meine Hände gegangen. Irgendwann jedoch fand ich herraus, dass mich die Geschichten, die sich um die Autos ranken, mindestens genauso faszinieren, wie die Autos selbst und ich habe begonnen, meinen Fokus genau darauf zu legen. Wenn ich in der Garage stehe und mir die Autos ansehe, dann sind meine Gedanken auch immer bei den Menschen, die sie einst als Neuwagen kauften. Und das finde ich sehr schön!

alphamax
alphamax 07.01.2011

und wenn Sie nicht gestorben sind......

könnte es hier fast heissen. Meinen herzlichsten Glückwunsch zu dieser einzigartigen, einmaligen und rührenden Erzählung. Dramaturgisch könnte sie nicht besser sein. Sie sind ein wahrer Glückspilz und bekommen auch von mir die max...imale Punktzahl !

schreckschrauber
schreckschrauber 06.01.2011

Das ist eine wunderschöne Geschichte - und auch ich denke immer wieder an die vielen Menschen, die mit unseren Fahrzeugen vor uns viele Gefühle verbanden - die sicher nicht immer nur angenehmer Art waren - aber zumindest bei den Erstbesitzern war es auch immer Besitzerstolz - und das damit verbundene Glück.....

Und dieser Teil unseres Hobbys ist eigentlich der Schönste - die Geschichten von Eltern und Großeltern, Liebespaaren und Urlaubsfahrten in die Ferne - die damals schon wenige Kilometer jenseits der Stadtgrenze beginnen durfte...

Und auch für uns gilt: ein Lloyd erfreut - wir haben auch noch einen in Originalzustand - allerdings mehr Kilometer (und einen restaurierten für´s fahren....)

Vielleicht treffen wir uns mal!

LG Jürgen

lloydselig
lloydselig 06.01.2011

Hallo Markus! Das "imaginäre Denkmal" setzen wir ihm auf unsere ganz persönliche Art. Wir denken sehr oft an ihn und freuen uns, den Wagen dort persönlich abgeholt zu haben und sein jahrzehntelanges Zuhause kennengelernt zu haben. Besten Dank für die Sternchen und viele Grüße,

Rainer.

Volvoman
Volvoman 06.01.2011

Wirklich eine tolle Geschichte.Unglaublich,aber wahr.Wer träumt nicht davon,so etwas mal zu erleben?

Man sollte dem Erstbesitzer dafür ein Denkmal errichten,daß der Wagen so toll erhalten ist.

5 Sterne von mir dafür (ich hätte auch 10 Sterne gegeben,wenn das gehen würde)

Viel Vergnügen mit dem Lloyd.

Gruß Markus

Aero-Frank
Aero-Frank 30.10.2009

Eine wirklich schön geschriebene Geschichte ! Da träumt wohl jeder von,einen solchen Schatz zu finden.

Ich hoffe mir passiert mal ähnliches :-)

Viel Spass mit dem Wagen.

Gruß Frank

Mark
Mark 27.10.2009

Hammergeschichte - toll erzählt. An der detaillierten Dokumentationslage hätte ich - neben dem Fahrzeugzustand - ebensoviel Freude wie ihr. Weiterhin viel Spaß mit eurem Schatz! Von mir gibts 5 Sterne dazu...

lloydselig
lloydselig 25.10.2009

Besten Dank!

Tjaaa... die Frage nach dem Grund für dieses "Nichtbenutzen" haben wir uns und den Familienangehörigen des Herrn W. natürlich auch gestellt. Die kurze aber treffende Antwort der Enkeltochter war: "Eigentlich wollte ja nur seine Schwester dieses Auto und im übrigen war mein Opa sehr sparsam. Der Wagen sollte eben lange halten."

Das hat er ja nun auch wirklich !

testosteron
testosteron 25.10.2009

Ganz toll! Besten Dank für den Bericht.

stefano1966
stefano1966 25.10.2009

Ja! Toller Bericht! Damals war der Besitz eines Automobils noch etwas Besonderes. Ich würde nur gerne wissen, wozu der Schuhmacher soviel Geld investierte, wenn der Lloyd doch nur so wenig benutzt wurde...? Egal! Den neuen Besitzern kann das nur recht sein. Viel Spass mit diesem faszinierenden Wagen.

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